10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa

Aufruf

Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft Kinos, Schulen, Universitäten, Fernsehsender, Medien, kulturelle Institutionen und Individuen zu einer weltweiten Filmvorführung von I Am Not Your Negro von Raoul Peck am 10. Dezember 2020 auf, dem Jahrestag der durch die Vereinten Nationen im Jahr 1948 verkündeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Der Film erhellt die Kontinuität des Rassismus und dokumentiert den auch in der Kunst artikulierten Widerstand gegen ihn. Mit der weltweiten Vorführung des Films von Raoul Peck soll auch unsere Verantwortung unterstrichen werden, die Geschichte der Kolonisation und des Rassismus detailliert aufzuarbeiten. 400 Jahre, nachdem die ersten Sklaven in den USA in Jamestown, Virginia, in Ketten an Land geführt wurden, ist die Gleichbehandlung von Weißen und People of Color keineswegs durchgesetzt – weder in den USA noch anderswo. Im Laufe von fast vier Jahrhunderten wurden schätzungsweise 10-12 Millionen versklavte Afrikaner nach Amerika transportiert, hauptsächlich von europäischen Händlern. Mehr als 250 Jahre nach der Abschaffung des atlantischen Sklavenhandels ist die Gleichbehandlung von Weißen und People of Color keineswegs festgeschrieben – weder in Amerika noch in Europa noch in anderen Regionen der Welt.

I Am Not Your Negro: Es handelt sich um einen preisgekrönten 95-minütigen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2016, der auf der Basis des unvollendeten Roman-Manuskripts „Remember This House“ von James Baldwin (1924 – 1987) gedreht wurde. Peck versucht in dem Film den Rassismus der US-Gesellschaft im zeitlichen Panorama von 1890 bis 2014 mittels filmischer Collage und der Lebensgeschichte von drei Freunden Baldwins aus der Bürgerrechtsbewegung zu erfassen, die in den 60er Jahren ermordet wurden: dem Menschenrechtsanwalt Medgar Evers (+1963), dem Black Muslim Malcolm X (+1965) und dem Baptistenpfarrer und Bürgerrechtler Martin Luther King jr. (+1968).

James Baldwin (*1924 in Harlem, New York City – 1987+ Saint-Paul-de-Vence, Frankreich) war einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Bücher wie „The Fire Next Time“ (1962) thematisieren Rassismus und Sexualität. Raoul Peck (*1953 in Port-au-Prince, Haiti) ist ein Filmemacher und Drehbuchautor, der u.a. durch den  Dokumentarfilm (1990) Lumumba: La mort du Prophète  (1992) und den Spielfilm Lumumba (2001) international bekannt wurde. 

Das ilb knüpft mit dem Worldwide Screening an die Serie der weltweiten Lesungen an, die es seit 2006 zu verschiedenen Themen, vor allem auf Menschenrechte bezogen, und an das erste Worldwide Screening am 27. Januar 2020 an, mit dem die Präsentation von „Shoah“ von Claude Lanzmann in über 20 Ländern lanciert wurde.

Wir rufen zur Beteiligung an der weltweiten Filmvorführung von I Am Not Your Negro auf. Dies kann privat in kleinem Kreis, in einer Schule, in einem Kino oder durch einen TV-Sender erfolgen. Wir hoffen, dass sich Kinos weltweit von der aktuellen Situation aufgrund von COVID-19 bis zum Dezember erholt haben werden und an dem Aufruf teilnehmen können.

Der Film I Am Not Your Negro ist in gesprochener Sprache auf Englisch, Französisch und Deutsch und mit Untertiteln auf Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch auch als DVD oder BluRay im Buchhandel erhältlich. Die Vorführrechte sind individuell mit dem Verleih zu klären – gerne geben wir Auskunft über die Distributoren. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet unter diesem Link den Film auf DVD zusammen mit der Lizenz zur nicht-gewerblichen Vorführung an.

Institutionen und Personen, die sich mit einer Vorführung am 10. Dezember 2020 beteiligen möchten, werden gebeten, uns folgende Informationen bis zum 12. November 2020 zukommen zu lassen: Organisator*innen, Veranstaltungsort, Uhrzeit, teilnehmende Akteure, Veranstaltungssprache, ggf. Link zu Ihrer Webseite. Die E-Mail-Adresse lautet: . Das ilb wird die Veranstaltungen auf der Webseite www.literaturfestival.com und in sozialen Medien ankündigen.