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    10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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    14.01.2016 - Weltweite Lesung von Gedichten und Texten als Unterstützung für Ashraf Fayadh

    Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft alle Menschen, Institutionen, Schulen und Medien, denen Freiheit und Bürgerrechte wichtig sind, zur Teilnahme an einer weltweiten Lesung von Gedichten und Texten als Unterstützung für Ashraf Fayadh, am 14. Januar 2016 auf.

    Ashraf Fayadh, ein 35-jähriger, in Saudi Arabien als palästinensischer Flüchtling geborener Dichter und Kurator, der in Saudi-Arabien lebt, ist von einem saudischen Gericht am 17. November 2015 für die “Straftat” des Abfalls vom Glauben zum Tode verurteilt worden. Während der Haft und der Gerichtsverhandlung wurde ihm nicht erlaubt, sich einen Anwalt zu nehmen.

    Fayadh ist eine Schlüsselfigur in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst aus Saudi-Arabien für ein weltweites Publikum. Chris Dercon, der Direktor der Tate Modern und ein Freund des Dichters, hat ihn als „jemand beschrieben, der freimütig und mutig ist.”

    Zusätzlich zur Verleugnung des Islams wird Fayadh auch der Blasphemie und der Förderung des Atheismus in seiner 2008 veröffentlichten Gedichtsammlung Anweisungen von Innen angeklagt. Fayadh hat dagegen versichert, dass die Gedichte „allein von mir als Flüchtling aus Palästina handeln … über kulturelle und philosophische Probleme. Aber religiöse Extremisten haben es als zerstörerische Ideen gegen Gott gewertet.”

    Die Vorwürfe, zusammen mit der Abwesenheit eines den Rechtsnormen verpflichteten Prozesses, zeigen, dass es nicht Fayadh ist, der schuldig ist, sondern eher Saudi-Arabien, das sich erneut schuldig macht, indem es, Menschenrechte und Rechtsgrundsätze missachtet. In den Ranglisten landet das Königreich ständig auf einem der letzten Plätze, wenn es um Freiheit und Demokratie geht. Gemäß Human Rights Watch kriminalisieren Saudi-Arabiens immer repressivere Gesetze die freie Meinungsäußerung und geben den Behörden übermäßige Polizeimacht. Von richterlicher Kontrolle keine Spur.

    Ashraf Fayadhs Fall ist nicht allein seine Geschichte - sie steht vielmehr symbolisch für alle Opfer eines von Grund auf repressiven Regimes, das von westlichen Regierungen unterstützt wird. Regierungen, die eigentlich ständig die Werte der Freiheit und Demokratie als leuchtendes Banner vor sich her tragen. Im Moment ist Saudi-Arabien sogar Mitglied im UN-Menschenrechtsrat, einer Organisation, die per se die allerhöchsten Standards der zivilen Freiheiten repräsentiert. Saudi-Arabien sitzt in diesem Gremium seit 2013, da es heimlich mit Großbritannien einen Stimmen-Deal verabredet hatte, wie Wikileaks enthüllt hat. Andere westliche Staaten verkaufen an Riad für viel Geld Waffen und applaudieren bei allen möglichen Gelegenheiten den Saudis öffentlich, damit bloß weiterhin das Öl fließt. In dieser Zwickmühle sitzen Menschen wie Ashraf Fayadh ohnmächtig fest. Männer und Frauen, deren Rechte sowohl im Königreich, als auch außerhalb der Landesgrenzen unbeachtet bleiben.

    Während der zu Recht kürzlich von westlichen Politikern geäußerten Abscheu über die Verbrechen der IS-Terroristen - es wurde mit Krieg und Vergeltung gedroht -, ist kein Sterbenswörtchen über Saudi-Arabiens unrühmliche Rolle bei der Verbreitung der gewalttätigen Variante des Islam, die eben der selbst ernannte Islamische Staat praktiziert, gefallen. Und es gibt eben keinerlei Zweifel, dass sich die Ideologien von Saudis und Islamisten ähneln: beide heißen Auspeitschungen und Hinrichtungen von denjenigen gut, die nicht hundertprozent ihrer Ansicht sind. Wobei Saudi-Arabien im letzten Jahr sogar mehr Menschen hingerichtet hat als der IS.

    Mit dieser weltweiten Lesung fordern wir Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf, sich für Ashraf Fayadh einzusetzen und so, in einem ersten Schritt, dafür zu sorgen, dass Saudi-Arabien die Menschenrechtsstandards endlich anhebt.

    Außerdem fordern wir, dass die Vereinten Nationen Saudi-Arabien vom UN-Menschenrechtsrat ausschließen, bis das Königreich seine entsetzliche Menschenrechtsbilanz verbessert hat und Freiheit und Bürgerrechte anerkennt.

    Zusätzlich appellieren wir an alle westlichen Regierungen, besonders die britische und amerikanische, zuzugeben, dass es Probleme gibt, wenn man gleichzeitig freundschaftliche, unkritische Beziehungen zu einem Land unterhält, dass systematisch Menschenrechtsverletzungen begeht.