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    10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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    21.11.2011 - Weltweite Lesung in Erinnerung an Heinrich von Kleist

    Das internationale literaturfestival berlin (ilb) und die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft rufen Kulturinstitutionen, Schulen, Radiostationen und alle interessierten Personen zu einer weltweiten Lesung von Werken des deutschen Autors Heinrich von Kleist am 21. November 2011 auf. An diesem Tag jährt sich der Todestag des Dichters zum 200. Mal.

     

    Heinrich von Kleist war an der Wende zum 19. Jahrhundert ein Krisenspezialist und Projektemacher, der Deutschland als einen bewegungsarmen Wartesaal empfand. Er versuchte, seine Zeitgenossen mit futurischen Experimenten nicht nur in der Literatur, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen wachzurütteln, mit Ideen zur Militär- und Finanzreform des preußischen Staates, mit der Erfindung einer »Lasterschule« nach dem Programm einer »gegensätzlichen« Pädagogik, mit dem Entwurf eines U-Boots oder einer »Bombenpost« oder der Installierung einer  hauptstädtischen Boulevardzeitung zur Camouflierung politischen Handelns. Als Persönlichkeit, Dramatiker und Erzähler mit extremen Positionen, von seinen Zeitgenossen unverstanden, erscheint Kleist heute als moderner Charakter, der in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Deutschland geriet und dessen Leben, obwohl aus einer märkischen Adelsfamilie stammend, ständig von instabilen Verhältnissen geprägt war. Aus der permanenten Krisenerfahrung heraus entwickelte er seine Ideen und seine wechselnden Lebensentwürfe. Ständig erneuerte er nach seiner Zeit beim Militär seinen Lebensplan, entwarf sich immer wieder neu als Gelehrter, Beamter, Familienvater, Bauer, Buchhändler oder Redakteur und schließlich als erfolgreicher Schriftsteller, was ihm zu Lebzeiten versagt blieb.


    Kleists 200. Todestag am 21. November 2011 ist der Anlass, den Zusammenhang von Krise, Kritik und Reformideen damals und heute zu diskutieren. Der 21. November ist aber insbesondere auch der Tag, Kleists Leben und Sterben und sein Werk weltweit zu würdigen. Am Todestag sollen deshalb Auszüge aus den Briefen und Werken Heinrich von Kleists gelesen werden. Die world wide reading hat bereits Tradition. Sie entstand aus Anlass des dritten Jahrestages des Kriegsbeginns im Irak. Das internationale literaturfestival berlin und die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik hatten für den 20. März 2006, dem Jahrestag der politischen Lüge, erstmals zu einer weltweiten Lesung von Eliot Weinbergers »What I Heard about Iraq« aufgerufen. Es folgten weltweite Lesungen nach der Ermordung Anna Politkowskajas, im Vorfeld der Olympischen Spiele in China, gegen die Regierungsführung Robert Mugabes, in Gedenken an Mahmud Darwisch und zur Unterstützung der demokratischen Opposition im Iran. Bis zu hundert Institutionen, darunter auch Radio- und Fernsehsender, beteiligen sich jedes Jahr an den weltweiten Lesungen auf allen Kontinenten oder berichten.


    Die zur weltweiten Lesung bestimmten Texte liegen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, Spanisch und Ungarisch vor. Institutionen und Personen, die sich mit einer Lesung am 21. November beteiligen möchten, werden gebeten, mit uns in Verbindung zu treten. Das ausgewählte Textkonvolut wird den Partnern anschließend per Mail geschickt. Die E-Mail-Adresse lautet: worldwidereading@heinrich-von-kleist.org