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    10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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    04.06.2010 - Weltweite Lesung für Liao Yiwu in Erinnerung an das Massaker am Tian’anmen-Platz

    Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft Kulturinstitutionen, Schulen, Radiostationen und interessierte Personen zu einer weltweiten Lesung von Gedichten und Prosa des chinesischen Autors Liao Yiwu am 4. Juni 2010 auf. An diesem Tag jährt sich das Massaker am Tian’anmen-Platz in Beijing im Jahr 1989, bei dem nach Angaben des Roten Kreuzes ca. 2.600 Menschen den Tod fanden.

    Über das Ereignis selbst, dem eine Demokratiebewegung vorausging, wird in den offiziellen Medien in China nichts publiziert, die Zensur wurde noch am 20. Jahrestag des Geschehens bis in die Web-2.0-Internetplattformen hinein enorm verschärft. Das verordnete Schweigen in China, das auch die Phase der Kulturrevolution betrifft, die enorm hohe Zahl von Todesurteilen in diesem Land und der Umgang mit Tibet müssen von den zivilgesellschaftlichen Instanzen demokratischer Gesellschaften umso deutlicher kommuniziert werden. Am 4. Juni wurden deshalb folgende Werke Liao Yiwus gelesen werden: Für einen zum Tode Verurteilten; Zum Tode Verurteilte sprechen über ihre Hinrichtung; Für ein Lied und hundert Lieder; Das Vaterland der Gefangenen; Vor Gericht; Die Totenrufer; Der Trauermusiker; Die Familie eines Opfers des 4. Juni; Der Klomanager; Der vierte Juni.

     

    Liao Yiwu ist einer der Autoren, die in China trotz internationaler Erfolge nicht publiziert werden, weil sie in den Augen der Machthaber die »Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda mit ausländischer Hilfe« ausüben. Selbst sein Name darf nicht genannt werden. Von 1990 bis 1994 war er aufgrund seiner literarischen und gesellschaftspolitischen Aktivitäten im Gefängnis und wurde nur aufgrund internationalen Drucks vorzeitig aus der Haft entlassen. Seine Interviews mit Underdogs (Interviews with People from the Bottom Rung of Society) und seine Gedichte (wie Massacre und die Anthologie The Fall of the Holy Temple) sind in den vergangenen Jahren im Ausland publiziert worden, u. a. in renommierten Verlagen und Zeitschriften wie Lettre International (Deutsche Ausgabe) und der New Yorker Zeitschrift The Paris Review.

    Die chinesischen Behörden ließen Liao Yiwu, obwohl er inzwischen einen Reisepass besitzt, weder zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2009 noch zur lit.cologne ausreisen. Das ilb sowie das Harbour Front Literaturfestival in Hamburg haben ihn nun für die Festivals im September eingeladen. Wir können nur hoffen, dass die chinesischen Behörden ihm das fundamentale Recht zur Ausreise und die Wiedereinreise nach China gewähren werden.

    Ziel der weltweiten Lesung soll sein, das Werk des Autors Liao Yiwu einer breiteren Leserschaft bekannt zu machen, an das Massaker von 1989 zu erinnern und China im Blick auf die Menschenrechte dringend zu mahnen.

     

    Aus Anlass des dritten Jahrestages des Kriegsbeginns im Irak hatten das internationale literaturfestival berlin und die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik am 20. März 2006, dem Jahrestag der politischen Lüge, erstmals zu einer weltweiten Lesung von Eliot Weinbergers What I Heard about Iraq aufgerufen. Es folgten weltweite Lesungen nach der Ermordung Anna Politkowskajas, im Vorfeld der Olympischen Spiele in China, gegen die Regierungsführung Robert Mugabes, in Gedenken an Mahmud Darwisch und zur Unterstützung der demokratischen Opposition im Iran. Bis zu hundert Institutionen, darunter auch Radio- und Fernsehsender, beteiligten sich an den weltweiten Lesungen auf allen Kontinenten oder berichteten.

    Die zur weltweiten Lesung bestimmten Texte liegen in Englisch (Liao Yiwu, »The Corpse Walker: Real-Life Stories, China from the Bottom Up«, translated by Wen Huang, Pantheon Books, New York 2008) und Deutsch (Liao Yiwu, »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser - Chinas Gesellschaft von unten«, übersetzt von Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder, Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2009) vor. Institutionen und Personen, die sich mit einer Lesung am 4. Juni beteiligen möchten, wurden gebeten, uns zu informieren. Die E-Mail-Adresse lautet:worldwidereading@literaturfestival.com.

     

    Dieser Aufruf wurde bisher unterzeichnet von:

    Héctor Abad, Kolumbien; Eugenijus Ališanka, Litauen; Martin Amanshauser, Österreich; María Teresa Andruetto, Argentinien; Juri Andruchowytsch, Ukraine; Michael Augustin, Deutschland; Salih Aydemir, Türkei; Shauna Singh Baldwin, Kanada/USA; Russell Banks, USA; Bei Ling, China; Mohammed Bennis, Marocco; Peter W. Bernstein, USA; Vonani Bila, Südafrika; Rachid Boudjedra, Algerien; Hans Christoph Buch, Deutschland; Judith Butler, USA; Viktor Canosinaj, Albanien; Daniella Carmi, Israel; Giovanni Celati, Italien; Vikram Chandra, Indien; Noam Chomsky, USA; Detlev Claussen, Deutschland; John M. Coetzee, Südafrika; Achmat Dangor, Südafrika; Ariel Dorfman, Chile; Ferida Durakovic, Bosnien-Herzegowina; Tülin Dursun, Türkei; Sezer Duru, Türkei; Péter Esterházy, Ungarn; Nuruddin Farah, Somalia; Shamsur Rahman Faruqi, Indien; Lilian Faschinger, Österreich; Anthony Fleischer, Südafrika; Julia Franck, Deutschland; E.R. Frank, USA; Wolfram Frommlet, Deutschland; William H. Gass, USA; Assaf Gavron, Israel; Jochen Gerz, Deutschland; Tekin Gönenç, Türkei; Nadine Gordimer, Südafrika; Georgi Gospodinov, Bulgarien; Philip Gourevitch, USA; Dieter M. Gräf, Deutschland; David Grossman, Israel; Tarık Günersel, Türkei; Ha Jin, USA/China; Ulla Hahn, Deutschland; Nikolaus Hansen, Deutschland; Chenjerai Hove, Simbabwe; Drago Jančar, Slowenien; Stanchina Kanta Tanlukdar, Deutschland/Indien; Michael Köhler, Deutschland; Ursula Krechel, Deutschland; Norbert Kron, Deutschland; Goretti Kyomuhendo, Uganda; Michael Lentz, Deutschland; Peter Lohmann, Deutschland; Chiara Macconi, Italien; Jamal Mahjoub, Großbritannien; Cosmin Manolache, Rumänien; Javier Marías, Spanien; Émile Martel, Kanada; László Márton, Ungarien; Manfred Maurenbrecher, Deutschland; Robert Menasse, Deutschland; Amanda Michalopoulou, Griechenland; Anna Moi, Vietnam; Péter Nádas, Ungarien; Guadalupe Nettel, Mexiko; Christiane Neudecker, Deutschland; Nuala Ni Dhomhnaill, Irland; Mathias Ospelt, Deutschland; Amos Oz, Israel; Halil İbrahim Özcan, Türkei; Thorsten Palzhoff, Deutschland; Kornelijus Platelis, Litauen; Francine Prose, USA; Hansjörg Quaderer, Deutschland; Holly-Jane Rahlens, Deutschland; Mani Rao, Indien; Moritz Rinke, Deutschland; Patrick Roth, Deutschland; Alberto Rúy-Sanchez, Mexiko; Almantas Samalavicius, Litauen; Sapphire, USA; Alka Saraogi, Indien; Joachim Sartorius, Deutschland; Robert Schindel, Österreich; Lorenz Schröter, Deutschland; Lutz Seiler, Deutschland; Jorge Semprún, Spanien; Eduardo Sguiglia, Argentinien; Nicholas Shakespeare, Großbritannien; Meir Shalev, Israel; Tzveta Sofronieva, Bulgarien/Deutschland; Wolfgang Sofsky, Deutschland; Rebecca Solnit, USA; Peter Stamm, Schweiz; Klaus Staeck, Deutschland; Ilija Trojanow, Deutschland/Bulgarien; Jane Urquhart, Kanada; Mario Vargas Llosa, Peru; Olajumoke Verissimo, Nigeria; Abdourahman A. Waberi, Dschibuti/Frankreich; Richard Wagner, Deutschland; Cécile Wajsbrot, Frankreich; Michael Warschawski, Frankreich; Eliot Weinberger, USA; Renate Welsh-Rabady, Österreich; Ruben Wickenhäuser, Deutschland; Herbert Wiesner, Deutschland; Stefan Ludmilla Wieszner, Deutschland; Eje Winter, Deutschland.

    Deutschland:

    4. Juni, 20.00 Uhr, Café Fahrenschon, Babenhausen (Schwaben); 4. Juni, 20.00 Uhr, internationales literaturfestival berlin, Café Brel, Savignyplatz 1, Berlin:

    Kleine Bühne

    Hans Christoph Buch führt die Lesung ein. ©Chiara Caradonna.

    Michaela Steiger und Roland Schäfer lesen Liao Yiwu

    Michaela Steiger und Roland Schäfer lesen Liao Yiwus "Die Totenkünstler". ©Chiara Caradonna.

    PublikumPublikum Farbe

    Publikum. ©Chiara Caradonna.

    4. Juni, vormittags, Berlin International School, Berlin; 4. Juni, vormittags, Gottfried-Keller-Gymnasium, Klasse 10.2, Berlin:

    ©Veit Siegmund

    ©Veit Siegmund

    ©Veit Siegmund.

    4. Juni, 12:00-24:00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal, Greifswalderstraße 4, Berlin; 4. Juni, Privater Literaturkreis, Uhlandstr. 53, 10719 Berlin; 4. Juni, 19-21 Uhr, Alexanderplatz (open air), Berlin; 4. Juni, 19.00 Uhr, Künstler- und Atelierhaus, Marktstraße 6, Erfurt; 4. Juni, 20.00 Uhr Internationales Lesefes am Main / Zuflucht: Literatur!, Literaturhaus, Schöne Aussicht 2, Frankfurt/ Main; 4. Juni, 18.00 Uhr, Harbour Front Literaturfestival / Literaturhaus Hamburg / Hamburger Abendblatt / Macht e. V. / Thalia Theater / Kampnagel / Initiative "Komm in die Gänge", Axel-Springer-Passage, Caffamacherreihe 1, Hamburg; 4. Juni, 20.00 Uhr, Staatstheater Hannover, Prinzenstraße 9, Hannover:

    ©Anna Sörensen©Anna Sörensen

    Harry Rothberger und Gabriela Jaskulla lesen Liao Yiwu. ©Anna Sörensen.

    4. Juni, vormittags, Böll Haus, Köln; 4. Juni, 19.05 Uhr Offener Kanal Lübeck / Amnesty International; 4. Juni, 20.00 Uhr, Theater Freiburg, Winterer-Foyer; 4. Juni, 20.00 Uhr, Internationales Literaturfestival Bremen, Neues Schauspielhaus, Theater Bremen, Goetheplatz 1-3, Bremen:

    ©Walter Weber©Walter Weber

    Michael Augustin liest Liao Yiwu. ©Walter Weber.

    | Frankreich: 3. Juni, 18.00-20.00 Uhr, Annual commemoration of June 4th , Place du Parvis des droits de l'Homme, Trocadéro, Paris 16ème:

    ProtestReadingReading

    ©Li Chun'an.

    4. Juni, 18.00 Uhr, Centre d'accueil de la presse étrangère (CAPE), Grand Palais, Cours la Reine - Perron Alexandre III, 75008 Paris:

    On stage

    Marie Holzman, Guilhelm Fabre, Vincent Metten und Wang Longmon lesen und besprechen Liao Yiwu. ©Li Chun'an.

    | Großbritannien: 4. Juni, 17.30 Uhr, Glasgow University / PEN, Department of English and Scottish Literature, 5 University Gardens, University of Glasgow, Glasgow, Schotland:

    Fiona RintoulReading 2

    ©Susan Kemp.

    | Liechtenstein: 4. Juni, 20.00 Uhr Liechtensteiner Literaturtage, Erwachsenenbildung Stein-Egerta, In der Stein-Egerta 26, FL - 9494 Schaan

    | Malaysia: 4. Juni, 10.00 Uhr, Campus of the University of Tunku Abdul Rahman, Kuala Lumpur

    | Nigeria: 4. Juni, 10.00 Uhr, Lagos State University (LASU), Lagos:

    Lagos State University

    Olajumoke Verissimo liest Liao Yiwu.

    4. Juni, 17.00 Uhr, The Rendezvous, Agbowo, Ibadan:

    © Biodun Makinde   On the picture: Rotimi Babatunde, playwright and poet; Benson Eluma, poet and essayist; Ebika Anthony, poet; Idayat Alimi, essayist: Folorunso Moshood, poet; Akin Bello, novelist; Yomi Ogunsanya, poet; Tade Ipadeola, poet.

    Rotimi Babatunde, Benson Eluma, Ebikla Anthony, Idayat Alimi, Folorunso Mashood, Akin Bello, Yomi Ogunsanya, Tade Ipadeola lasen Liao Yiwu. ©Biodun Makinde.

    | Österreich: 3. Juni, 19.00 Uhr, Freien Radio Salzkammergut; 4. Juni, 10.00 Uhr

    | Schweiz: 4. Juni, 22.00 Uhr, Deutschschweizer PEN, Theater am Neumarkt, Zürich

    | Tschechien: 4. Juni, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds, Prag

    |Türkei: 4. Juni, Açikradyo 94.9 (Open Radio 94.9), Istanbul

    | USA: 4. Juni, PoetsWest, Seattle;5. Juni, 16.00 Uhr, Poetry on the Loose, College of Poetry, 7 West Street, Warwick NY 10924:

    ©Public

    William Seaton liest Liao Yiwu.©Patricia Seaton.

    || Hong Kong: 4. Juni, 20.00 Uhr, June 4th Annual Memorial, Candlelight Vigil, Victoria Park.

    Liao Yiwus Aufnahme seiner Gedichte Massaker und Elegie 89 wurde vor 150.000 Teilnehmern abgespielt.